Successio Parochorum Obbachensium
-  Die Abfolge der Obbacher Pfarrer -

     
 

Diese Holztafel hängt in der Sakristei der Kirche. Die ersten neun Namen sowie der elfte wurden "lateinisiert". Die lateinische Namensform galt als besonders historisch.

In der Liste der Obbacher Pfarrherrn fehlen lediglich die Namen von Karl Meyer, der von 1976 bis 1986 und von Wolfgang Brändlein, der von 1986 bis 2008 hier Pfarrer war. Wenn einmal eine zweite Tafel daneben gehängt wird, werden sie die Liste fortsetzen. 

   

Seit 1698 hat Obbach einen eigenen evangelischen Pfarrer. Johannes Martin Stephan war ein gebürtiger Obacher - Sohn eines Obbacher Bürgermeisters.

Mit dem Bau des Schlosses und mit dem dauerhaften Wohnen der Dorfherrn im Schloss wurde eine eigene Pfarrstelle errichtet. Die Pfarrscheune erinnert noch immer daran, dass die Obbacher Pfarrherrn sich ursprünglich nebenbei als Landwirte betätigten. Die Kirchengemeinde hatte von  Georg Ludwig von Bobenhausen (von 1677 bis 1707 Dorfherr) Äcker als Pfarrpfründe bekommen, damit die Pfarrstelleninhaber durch die Erträge dieser Pfarrpfründeäcker einen Teil ihres Auskommen hätten.  Sicherlich wurden die Ackerflächen teilweise von den ansässigen Bauern mitbearbeitet. Aber "der Herr Pfarrer" war auch draußen auf dem Feld zu finden.

Pfarrer Friedrich Löblein hat in seiner Chronik (unter Rückgriff auf umfangreiche Recherchen seines Vorgängers Paul Geißendörfer 1976 veröffentlicht) die wichtigsten schriftlichen Quellen verarbeitet. Soweit nicht anders angegeben, stützt sich diese Darstellung auf die Löblein'sche Chronik.

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Johannes Martin Stephan  *  1698-1710
(Tafel: Johannes Martinus Stephan)

Von 1692 bis 1697 ließ Familie von Bobenhaus in Obbach das Schloss erbauen. Georg Ludwig von Bobenhaus war der Patronatsherr und verlegte 1697 seinen ständigen Wohnsitz nach Obbach.
Ab 1698 hatte Obbach dann fast durchgängig einen eigenen evangelischen Pfarrer.

Johannes Martin Stephan war "ein geborener Obbacher, der Sohn des damaligen Schultheißen".
Sein Vater hieß wohl Andreas Stephan (der Jüngere).

 

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Ägidius Friedrich Stöhr  *  1711-1767
(Tafel: Aegidius Fridericus Stöhr)

"Er war an 56 Jahre Pfarrer dahier und verwaltete sein Amt mit vieler Amtstreue." Ihm verdanken wir die ältesten Nachrichten über die Kirche; er legte das älteste Kirchenbuch und das Grundbuch des Gotteshauses an. Er ist in Obbach begraben; sein Grab ist jedoch nicht mehr erhalten. Als er starb, wurden die Toten noch auf dem alten Friedhof begraben, der sich rund um die Kirche befand.

 

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Friedrich Jakobi  *  1767-1777
(Tafel: Fridericus Jacobi)

Er war Pfarrer Stöhr bereits 1762 als Amtshelfer ("Substitut") beigegeben worden und wurde nach dessen Tod Amtsinhaber. Er wurde 1777 als Pfarrer nach Buchenau befördert (nach: Braungart, Baugeschichte der Kirche, 1829)

 

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Johann Leonhard Schüßler  *  1777-1798
(Tafel: Johannes Leonhardus Schüßler)

Aus Schweinfurt stammend. "Hofmeister bei der hiesigen Freiherrl. Herrschaft".

 

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Johannes Christian Immanuel Braungart  * 1798-1843
(Tafel: Johannes Christianus Immanuel Braungart)

"Damaliger Hauslehrer bei dem Fürstlich-Eisenach'schen Rat im Fürstentum Weimar-Eisenach"; "er wirkte bis zu seinem Tode segensreich in der Gemeinde".
Von ihm stammt eine Zusammenfassung der Baugeschichte der Kirche: der erste Teil wurde 1829 verfasst, der zweite Teil 1841.

In seine Zeit fiel die Verschönerung des Kircheninneren. Er hat die Arbeiten eingehend beschreiben. Seine Ausführungen gewähren uns einen Blick in die damalige Zeit:

"Das Kirchengebäude zwar in einem modernen Stil erbaut, stand bis jetzt im Innern noch roh in Holz ohne Anstrich da, und es wurde von Seiten der Kirchengemeinde der Wunsch laut, daß zur inneren Verschönerung und Herrichtung eines hohen Altars (der alte war blos ein tischähnlicher) etwas geschehen möchte. Diese Wünsche, die sich schon zur Zeit des Amtsantrittes des Unterzeichneten auftaten, kamen jedoch nicht eher zur Realisierung als im Jahr 1828, in welchem in den Sommermonaten beim Armenpflege Ausschuß respective Stiftungs Ausschuß der Antrag zur Kirchenverschönerung gestellt wurde, und die Mitglieder sich günstig für dieses Unternehmen aussprachen. Johann Joseph Müller Bildhauer und Vergoldner aus Bischofsheim an der Rhön legte einen Plan und Voranschlag zur Kirchenverschönerung vor, welcher geprüft wurde. Nachdem derselbe zur Kenntnis der Gesamtgemeinde gebracht und nichts Erhebliches dagegen vorgekommen, sofort gebilliget worden war, wurde auf den Grund dieser Vorlage mit Johann Joseph Müller ein Accord unter dem 27. Juni 1828 abgeschlossen, nach welchem ihn für Herrichtung eines hohen Altars, vergolden und Verputzung der Kanzel und sämtliche Verschönerungsarbeiten, wie sie im Aufsatz bezeichnet sind, 511 Gulden zugesichert wurden, welche Summe er in 3 Raten beziehen solle; er übrigens versprach alles nach dem Accord und der Beschreibung genau herzustellen; worauf die Arbeit im Monat Juli 1828 begann. Die Vollendung geschah erst im Monat Mai 1829 (während des Winters war die Arbeit ausgesetzt) und am Sonntage Cantate fand wegen glücklicher Vollendung des  Verschönerungsunternehmung eine kirchliche Feier statt nach folgender getroffener Anordnung: Die Gemeinde versammelte sich in vorgeschriebener Ordnung an der Linde, wohin auch die Schuljugend mit dem Lehrer unter Anschluß des Pfarrers zur gesetzten Stunde sich begab, worauf das Lied: Nun danket alle Gott, abgesungen wurde. Hierauf begann ein Kirchenzug. Der Gottesdienst wurde mit einer passenden Musik eröffnet, und es wurde von mir eine Rede am Altar nebst Gebet und eine auf diesen Fall abgefasste Predigt gehalten.
Die Arbeit ist zwar nicht zur vollkommenen Zufriedenheit aller Mitglieder der Kirchengemeinde ausgefallen, und man muß es gestehen, daß Joseph Müller seine Verbindlichkeiten in extenso wie der Contrakt lautet nicht erfüllt habe; jedoch hat das Innere der Kirche sehr gewonnen und die Nachkommenschaft kann von ihrer Seite entweder noch Etwas hinzutun oder davon wegnehmen.
Die sämtlichen Verschönerungsarbeiten wozu auch die Verlängerung der Emporkirchen auf der Nordseite der Kirche zu bemerken ist, haben nach geführter Rechnung einen Kostenaufwand von  642 Taler 43 1/2 Kreuzer verursacht.

Die Einnahmequellen, aus welchen diese Kosten bestritten wurden, waren:

   a) 171 Taler 45 Kr. freiwillige Beiträge von den einzelnen Mitgliedern der 
       Kirchengemeinde nach eröffneter Subscription von Haus zu Haus - siehe
       Subscriptions Verzeichnis
   b) 12 Taler 30 Kr. von Wohltätern in der Stadt Schweinfurt
   c) 200 Taler Erlös aus Baustämmen aus dem Gemeinde Bauholz.

Das übrige muß von der Kirchengemeinde aus eigenen Mitteln noch geleistet werden, und es ist einstweilen zur Befriedigung des Joseph Müller und Bestreitung aller Ausgaben ein Kapital aufgenommen worden, vid Rechnung.

Anmerkung: Die sämtlichen Rückstände sind nun jetzt auf die Gemeindekasse überwiesen worden und werden aus derselben bestritten. Das ganze was von dem Gemeindefonds geleistet worden ist beträgt 458 Taler (?) 28 1/2 Kreuzer: vid Gotteshausrechnung.

Im Anbetracht daß die Aufbringung dieser Gelder den Kirchengemeindegliedern noch eine bedeutende Ausgabe verursachen und bei nur mittelmäßigen Vermögensumständen schwerfallen dürfte, wurde bei dem Stiftungsausschuß beraten und beschlossen, eine untertänige Vorstellung und Bittgesuch um eine geneigte Unterstützung bei der vormaligen gnädigen Gutsherrschaft, Freiherrn Maximilian von Zurhein, Präsidenten der Königlichen Regierung des Untermainkreises zu Würzburg einzureichen, welche unterm 1. Juni 1829 abgefaßt und an gnädige Gutherrschaft, welche sich zu jener Zeit zu Kissingen im Bade befand, abgeschickt wurde, man jedoch bis jetzt noch der gnädigen Gewährung entgegensieht. s. Beilage." (Pfarramtsarchiv)

Der Friedhof, der ursprünglich um die Kirche herum angelegt war, war bereits vor seiner Amtszeit von den Schlossherrn verlegt worden. Der neue Friedhof (heute: alter Friedhof entlang des Heimbachs) war am 22.02.1784 eingeweiht worden.
1841 wurde der Friedhof nach oben hin erweitert und am 14.06.1841 feierlich eingeweiht.

Im Oktober 1841 wurde ihm zu seiner Unterstützung ein Vikar zugeordnet - Joh. Heinrich Sixt aus Schweinfurt (Dokumente aus der Turmkugel, Dokument 1, Seite 1).

Pfarrer Braungarts Grab ist, genauso wie das seiner beiden Nachfolger, auf dem Obbacher Friedhof erhalten.

 

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Friedrich Christian Friedlein  *  1844-1884
(Tafel: Fridericus Christianus Friedlein)

Er berichtet, dass 1866 die letzten Schlachten der Preußen gegen die Bayern ganz in der Nähe Obbachs tobten: am 10.07.1866 in Bad Kissingen, Hammelburg und Nüdlingen - mit vielen Toten und Verletzten. Zudem grassierte die Cholera und raffte viele dahin.

Friedlein schreibt: "Am Tage nach der Schlacht bei Kissingen zogen 20.000 Mann Preußen von abends bis früh 2 Uhr, 11. und 12. Juli, hier durch, ein ziemlicher Teil übernachtete hier und mußten Lebensmittel und Getränke in großen Mengen ... unmittelbar an diese gereicht werden." (Bericht im Pfarramtsarchiv)

In seine Zeit fällt der Bau des neuen Pfarrhauses. Eigentlich sollte das schon auf dem Grundstück gegenüber der Kirche stehende Haus umgebaut werden. Um die Dorfstraße verbreitern zu können, wurde aber doch ein Neubau errichtet. Friedlein zog 1871 in das neue Haus ein.

Sein Grab hat einen besonders schönen Grabstein, auf dem ein Christusmedaillon angebracht ist.
Die Inschrift auf Friedleins Grabstein lautet:

 

Hier ruhet in Gott
der liebevollste Gatte Herr 
Gottlieb 
Fr. Chr. Friedlein
kgl. Pfarrer und Local-
schulinspektor dahier,
geb. zu Obristfeld in
Oberfranken d.4.Dez.1810
gest. zu Obbach d.28.Febr.
1884, nachdem er sein G.[eistliches]
Amt im Segen 40 Jahre
mit der größten Gewiss-
enhaftigkeit und Treue 
bis an sein Ende
hat verwaltet.

 

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Georg Andreas Heunisch  *  1884-1902
(Tafel: Georgus Andreas Heunisch)

geb. am 18.04.1837 in Geroldshausen
gest. am 15.11.1902 in Obbach

"in guter Erinnerung , insbesondere durch seine straffe Handhabung der Zucht unter der Jugend".

Bevor er nach Obbach kam, war Heunisch Pfarrer in Zell-Weipoltshausen gewesen.

Sein Grab befindet sich in Obbach. "Die Liebe höret nimmer auf", steht auf dem Sockel des Grabsteins, ein Zitat aus dem 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes.

 

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Gustav Winkler  *  1903-1923
(Tafel: Gustavus Winkler)

In Löbleins Chronik (1976) heißt es: Bis heute in vielem die prägende und bekannte Pfarrerspersönlichkeit, als guter Prediger und gestrenger Herr gerühmt. Verheiratet "mit der Tochter Emma des Fritz Drescher, Gelatinefabrikdirektors in Schweinfurt".

 

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Friedrich August Christian Berger  *  1924-1929
(Tafel: Fridericus Augustus Christianus Berger)

 

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Installation März 1932

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etwa 1932

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etwa 1935

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oben und unten: Konfirmation 1937

 

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Werner Beltinger  *  1932-1937
geb. am 15.03.1903 in Dittenheim (Kreis Gunzenhausen)
verst. am 15.04.2002 in Neuendettelsau

Nach einer 3 (!) Jahre dauernden Vakanz trat Werner Beltinger als 29-Jähriger im März 1932 seinen Dienst an. Zuvor war er Stadtvikar in Schweinfurt St. Johannis gewesen.

Ende Januar 1933 wurde er von Nationalsozialisten auf seine Gesinnung hin getestet. Der Ortsgruppenleiter der NSDAP suchte unmittelbar nach der Machtergreifung Hitlers den Pfarrer auf und verlangte den Schlüssel für den Kirchturm, damit die Hakenkreuzfahne gehisst werden könne. Beltinger muss damals sinngemäß gesagt haben: "Da ist schon ein Kreuz auf der Kirchturmspitze; da brauchen wir kein anderes Kreuz!"

Ein paar Wochen später warf ihm ein örtlicher Nazi eine mit Drohungen und Beschimpfungen bekritzelte Zeitung vor die Haustüre. Auf der Tageszeitung "Fränkisches Volk" vom 23. März 1933 war zu lesen:

"Marxistenpastor und Judenprediger lese diese Zeilen. Wenn Du auch die Tür zum Turm versperrt hast, du und deine Genossen halten den Weg des nationalen Deutschland nicht versperrt. Ihr werdet hinweggefegt! Heil Hitler"

Die so beschriebene Zeitung befindet sich heute noch im Besitz eines seiner Söhne.

Im selben Jahr wurde er von den örtlichen Nazis beim Schweinfurter Dekan und wohl auch bei staatlichen Stellen denunziert und seine Amtsführung kritisiert. 
Am 31.08.1933 schrieb ihm Dekan Wilhelm Fabri einen ausführlichen Brief, in dem er seine Sorge ausdrückte. Wörtlich: 

"Aber nun sagt man Ihnen nach, daß Sie gar kein Ohr hätten für die Stimme Gottes in dem Geschehen dieser Zeit. Nun haben sich, wie es scheint, auch schon andere Kreise mit dieser Ihrer ablehnenden Haltung befaßt. (...) Ich sehe gewiß auch die Schatten, und manchmal muß man auch dann reden, aber ich glaube, nur der darf das auch öffentlich, der dankbar das viele Gute anerkennt und Gott dafür dankt, auch öffentlich. Dazu kommt einfach der pflichtmäßige Gehorsam gegen die rechtmäßige Obrigkeit, die wir, auch wenn sie ganz anders ist, ehren und achten sollen, soweit nicht Gottes Gebot es verhindert. Ich bitte Sie herzlich, versperren Sie sich nicht den Weg zu den Herzen Ihrer Gemeinde durch eine verkehrte Haltung zu den Dingen der Zeit."

Bei einer später durchgeführten Visitation stellte Dekan Fabri ihm allerdings ein sehr gutes Zeugnis aus.

Im April 1935 wurde Werner Beltinger in Schutzhaft genommen und musste vier Tage und drei Nächte im Landgerichtsgefängnis (Schweinfurt Hadergasse) verbringen. Der Grund dafür war eine Kanzelabkündigung, die Landesbischof D. Meiser an alle Pfarrämter geschickt hatte. Sie richtete sich gegen die angekündigte Reise von Reichsbischof Müller nach Bayern. Die Verlesung dieser Abkündigung war offensichtlich von den staatlichen Stellen verboten worden. Beltinger hielt sich jedoch nicht an das ihm kurzfristig übermittelte Verbot und verlas die Abkündigung im Sonntagsgottesdienst am 31.03.1935. Am frühen Morgen des 3. Aprils wurde er unter Anteilnahme der Bevölkerung verhaftet und nach Schweinfurt gebracht. Am Spätnachmittag des 6. Aprils wurde er entlassen; unter dem Jubel seiner Gemeinde kehrte Beltinger ins Pfarrhaus zurück. Acht Tage später, am 14. April, gab er jedem seiner 13 Konfirmanden den selben Spruch aus der Offenbarung des Johannes als Konfirmationsspruch: 

"Fürchte dich nicht vor dem, was du leiden wirst! Siehe, der Teufel wird einige von euch ins Gefängnis werfen, damit ihr versucht werdet, und ihr werdet in Bedrängnis sein zehn Tage. Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben."

Dreizehn Mal wurde dieser Spruch verlesen, und jeder der Anwesenden verstand wohl dessen tiefere Bedeutung!

Werner Beltinger war übrigens einer der ersten im Dorf, die einen guten Fotoapparat besaßen. Von ihm stammen einige sehr schöne Fotografien des dörflichen Lebens und der Landschaft um Obbach.

1937 wechselte Werner Beltinger mit seiner Frau und seinen Söhnen Thomas, Christoph und Tochter Eva nach Oberfranken und trat die Pfarrstelle in Geroldsgrün an, wo er bis 1948 blieb. Dort kam Tochter Regine zur Welt. Von 1948 bis 1959 war Beltinger Stadtpfarrer in Langenzenn, anschließend bis 1968 Pfarrer der Kirchengemeinde Neuendettelsau. Dort verbrachte er auch seinen Ruhestand.

Er verstarb am 15. April 2002 im hohen Alter von 99 Jahren in Neuendettelsau und wurde am 22. April auf dem dortigen Dorffriedhof beigesetzt.