Gemeindebereich Poppenhausen

Geschichte der evangelischen Gemeinde 
in Poppenhausen, Hain, Pfersdorf und Kronungen
 
Nur wenige Poppenhäuser Evangelische wissen über die Geschichte der evangelischen Diasporagemeinde Poppenhausen genau Bescheid. Einer davon ist Heinrich Bissinger, der genau aufgeschrieben hat, was es über den Betsaal und die Anfänge der evangelischen Gemeinde zu berichten gibt. Einige weitere Informationen stammen aus dem Archiv der Kirchengemeinde.
 
1. Die Anfänge

Schon vor 1939 haben einige evangelische Christen in Poppenhausen gewohnt. Bei Kriegsbeginn im Jahr 1939 wurde die Bevölkerung aus dem Westwaldgebiet evakuiert. Dadurch kamen Ausgesiedelte aus dem Raum Pirmasens und Nünschweiler auch nach Poppenhausen und Hain. Darunter waren etliche Protestanten - auch der evangelische Pfarrer Hutter, der sofort bemüht war, für seine zumeist evangelischen Landsleute Gottesdienste in Poppenhausen zu halten.
Dies gelang ihm auch. Zu Beginn versammelte sich die Gemeinde im Nebenzimmer des Gasthauses "Schwarzer Adler" bei Familie Weinbeer-Lang. Nach geraumer Zeit stellten Bürgermeister Schleichert und Oberlehrer Werner den oberen Schulsaal zur Verfügung. Dieses Angebot war zu dieser Zeit durchaus nicht selbstverständlich, und man war deshalb doppelt dankbar. Frau Kupfer und Frau Söder richteten den Schulsaal, der ja unter der Woche als solcher benutzt wurde, jeweils für den Gottesdienst. Von Anfang an übernahm Herta Beck das Amt der Organistin, bis sie nach Bad Kissingen verzog. Nachdem die Pfälzer Landsleute weggezogen waren, wurden die Gottesdienste durch den Pfarrer aus Niederwerrn gehalten.

 

2. Nach dem Krieg

In der Nachkriegszeit nahm die Zahl der Evangelischen durch den Zustrom von Flüchtlingen aus dem Osten wieder stark zu. Im Jahre 1947 fasste man den Entschluss, eine Kapelle zu errichten. Die ersten Spenden gingen ein, und man konnte ein Grundstück erwerben. Durch den späteren Wegzug vieler Flüchtlinge schmolz die Zahl der Evangelischen immer stärker zusammen, sodass das Bauvorhaben aufgegeben wurde.

 

3. Dauerhafte Nutzung der alten Schule

Mit dem Bau der Schule in der Rudolf-Werner-Straße wurde das Schulgebäude neben der katholischen Kirche frei. Die Freude war groß, als die politische Gemeinde unter Bürgermeister Genthner im Jahre 1960 den unteren Schulsaal zur Verfügung stellte. Am 14. Januar 1961 konnte die Einweihung gefeiert werden. Der für Poppenhausen zuständige Pfarrer Scheunemann aus Niederwerrn konnte als Ehrengast u.a. Dekan Kirchenrat Luther, seinen katholischen Amtsbruder aus Poppenhausen Pfarrer Hartmann, Landrat Dr. Burghard, Staatssekretär Erwin Lauerbach, Bürgermeister Genthner, sowie die Pfarrer Cyron (Schweinfurt - Christuskirche), Schorn (Schweinfurt - Gustav-Adolf-Kirche) und Kraemer (Euerbach) begrüßen. 
Am Einweihungstag wurden Pfarrer Scheunemann einige Spenden übergeben, die zur Finanzierung des Ausbaus dienen sollten. Pfarrer Hartmann betonte in seinem Grußwort, es sei schön, dass die beiden Konfessionen quasi unter einem Dach sind.

Vor der Einweihung leisteten folgende Geschäftsleute erste Arbeiten: Heinrich Rath, Alfred Schmitt, Armin Göbel, Heinz Hohmann und Heinrich Dömling. Weitere Helfer waren Adam Treutlein, Herr Wählisch und Walter Herr. Brauerei Werner stellte Georg Mai für die Tönung der Holzvertäfelung zur Verfügung. Der Altartisch wurde in der Schreinerei der Brauerei angefertigt.
Um den sakralen Charakter des Betsaals zu unterstreichen, waren bleiverglaste Kirchenfenster eingebaut worden. Die Stifter waren: Firma Weihrauch (Mellrichstadt), Sophie Weinbeer, Anton Schmitt, Tierarzt Dr. Heinrich Schwab, Studienrat Lenz, Walter Herr sowie die Brauerei Werner und die politische Gemeinde Poppenhausen. Ihre Namen sind heute noch auf den Glasscheiben zu entziffern. 

Den Mesnerdienst übernahm Frau Söder, später Betty Finkbeiner, ab 1983 deren Tochter Erna Johannes. 

 

4. Von Niederwerrn nach Obbach

Seit Anfang der 40er Jahre hatte die Diasporagemeinde Poppenhausen zur Evang.-Luth. Kirchengemeinde Niederwerrn dazugehört. Nachdem die Zahl der Evangelischen in Niederwerrn stetig angestiegen  war, kam die Überlegung auf, die Diasporagemeinde der Kirchengemeinde Obbach zuzuordnen.

1969 fassten die beiden Kirchenvorstände den entsprechenden Beschluss. Die Gemeindeglieder aus Poppenhausen wurden zu einem Gemeindeabend eingeladen und sprachen sich einhellig für die "Umpfarrung" aus. Der Obbacher Pfarrer Paul Geißendörfer hatte dabei auch im Blick, dass ein zahlenmäßiges Anwachsen der Kirchengemeinde Obbach verhindern könnte, dass bei Pfarrermangel die Pfarrstelle auf Dauer nicht mehr besetzt würde. 
Im Jahr darauf wurde die Umpfarrung offiziell vollzogen.

1971 wurde der Fußboden des Betsaals erneuert, sowie weitere Renovierungsarbeiten ausgeführt. Patron Georg Schäfer schenkte das Parkettholz. Verschiedene Zuschüsse, auch von der politischen Gemeinde, halfen mit, die Kosten in Höhe von DM 7.000 zu bezahlen.
1977 wurde der Vorraum des Betsaals renoviert, 1987 der Ölofen durch ein Gasheizgerät ersetzt.

 

5. Seit 1989

An Ostern 1989 konnten die alten gedrechselten Holzleuchter neu hergerichtet wieder benutzt werden. Sie waren 1946 in der Autowerkstatt Pfister von Konrad Kupfer hergestellt worden. Fridolin Ankenbrand richtete sie wieder her.
Zur großen Freude von Pfarrer Wolfgang Brändlein und der Gemeindeglieder konnte am Buß- und Bettag 1989 ein schönes Kanzelpult seiner Bestimmung übergeben werden. Heinrich Bissinger hatte es selbst angefertigt und gestiftet. An Ostern 1991 kam ein neuer "Taufstein" aus Holz dazu. Dabei wurde die von Fanni Lang gestiftete Silberschale wieder verwendet. Entwurf und Ausführung lagen wieder bei Heinrich Bissinger sowie Fridolin Ankenbrand. Taufstein, Kanzelpult und Altare - alle drei aus Holz gefertigt - bilden nunmehr eine gelungene Einheit.

Die Fenster und die Außentüre hatte viele Jahre lang gute Dienste getan, waren aber zusehend brüchig geworden. 1992/93 konnten diese erneuert werden. Wichtig erschien, dass die alten bleiverglasten Fensterscheiben in neuen Isolierglasfenstern aufgenommen werden konnten. Firma Mathes aus Kützberg konnte dies ermöglichen, sodass ein kleines, aber schönes Stück Kirchengeschichte erhalten bleiben konnte. Der Gemeinderat stimmte der Maßnahme zu und gab unter dem Vorsitz von Bürgermeister Rudolf Bochtler einen ansehnlichen Zuschuss. Von den Gesamtkosten in Höhe von 24.322,-- DM übernahm die Landeskirche 9.000,-- DM, die politische Gemeinde 11.000,-- DM und die Kirchengemeinde 4.322,-- DM.

Im September 2006 wurde eine neue digitale Kirchenorgel (Johannus "Opus 15") für 6.250 EUR angeschafft - u.a. mit Zusatzlautsprechern und einer höhenverstellbaren Sitzbank. Sehr zur Freude der Gemeinde ersetzt das Instrument seither die  alte, völlig verbrauchte elektrische Orgel, die etwa 40 Jahre lang im Betsaal in Benutzung war und deren akustischen Ausflüsse in den letzten Jahren eher wenig erfreulich waren.
Am 21. Oktober 2006 fand das erste Orgelkonzert im Betsaal statt; Dekanatskirchenmusiker Jörg Wöltche (Bad Kissingen) spielte u.a. Werke von Johann Sebastian Bach und Dieterich Buxtehude.

Bei der Kirchenvorstandswahl 2006 wurde Sigrid Keller aus Pfersdorf für den Stimmbezirk 2 (Poppenhausen, Pfersdorf, Hain und Kronungen) in das Leitungsgremium der Kirchengemeinde gewählt. 

Im Frühjahr wurde der Betsaal von Sigrid Keller, Karin Schmitt und Waltraud Geier frisch gestrichen. Die Treppenanlage wurde von der politischen Gemeinde renoviert, und die verwitterte Außentüre wurde von Herrn Lochner ehrenamtlich restauriert. 

 

6. Ausblick

Den Gemeindegliedern aus Poppenhausen, Hain, Pfersdorf und Kronungen ist der Betsaal in den mehr als vier Jahrzehnten zur Heimat geworden und ans Herz gewachsen. Sozusagen "unter einem Dach" mit den katholischen Mitchristen wird das gute Verhältnis zur katholischen Kirchengemeinde auch äußerlich sichtbar. 

Dass der Saal mit seinen 50 bis 100 Plätzen (je nach Bestuhlung) an Weihnachten fast zu klein wird, ist sehr erfreulich. Eine Renovierung des Eingangsbereichs vor dem Betsaal und der Einbau einer neuen Toilettenanlage wäre allerdings notwendig.

1995 wurde der Kirchengemeinde der obere Schulsaal als Gemeindesaal zur Nutzung überlassen. Pläne zum Ausbau der oberen Etage gibt es bereits. 

Zur Zeit leben gut 400 Evangelische in Poppenhausen, Pfersdorf, Hain und Kronungen. Durch die Neubaugebiete wächst ihre Zahl weiter an.