Christliche Symbole und biblische Bezüge auf den Grabsteinen des Obbacher Friedhofs

 3.

"Der dornengekrönte und leidende Christus" 
 Der Grabstein von Pfarrer Gottlieb Friedrich Christian Friedlein
(1844 bis 1884 als Pfarrer in Obbach)
"Aber Jesus ließ der Statthalter Pilatus geißeln und überantwortete ihn, daß er gekreuzigt werde. Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich in das Prätorium und sammelten die ganze Abteilung um ihn. Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König! und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt. 
Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.Und als sie hinausgingen, fanden sie einen Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen sie, daß er ihm sein Kreuz trug. Und als sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, das heißt: Schädelstätte,
gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle vermischt; und als er's schmeckte, wollte er nicht trinken."

- Aus dem Evangelium nach Matthäus, Kapitel 27 - 

1884  starb Gottlieb Friedrich Christian Friedlein, der von 1844 an 40 Jahre lang als Pfarrer in Obbach gewirkt hatte. Sein Grab ist eines der drei alten Pfarrgräber. Seit vielen Jahrzehnten werden die Pfarrgräber von Gemeindegliedern gepflegt. 

Über der Inschrift ist ein Medaillon (sicherlich aus Marmor)  angebracht. Es zeigt den dornengekrönten Christus. Nach dem Bericht des Matthäus  wurde Jesus vor seiner Kreuzigung eine Krone aus Dornen aufgesetzt.  

Immer wieder haben Menschen beim leidenden Christus Trost gefunden: Er kennt unsere Schmerzen und unser Leid. Er ist unseren Tod gestorben. Er versteht uns. Vor ihm brauchen wir unseren Schmerz und unsere Tränen nicht zu verstecken.

Schließlich hat der, der nun eine Dornenkrone trägt, einmal gesagt: "Selig sind, die da Leid tragen, denn sie sollen getröstet werden." 

Die Grabsteininschrift lautet: 

Hier ruhet in Gott
der liebevollste Gatte Herr 
Gottlieb 
Fr. Chr. Friedlein
kgl. Pfarrer und Local-
schulinspektor dahier,
geb. zu Obristfeld in
Oberfranken d.4.Dez.1810
gest. zu Obbach d.28.Febr.
1884, nachdem er sein G.[eistliches]
Amt im Segen 40 Jahre
mit der größten Gewiss-
enhaftigkeit und Treue 
bis an sein Ende
hat verwaltet.

 

Das Bild des leidenden und doch letztlich in Gottes Liebe geborgenen Christus kann Menschen trösten, die auf dem Friedhof stehen und mitten im Leid sind. 
Gott ist nicht weit weg, wenn Menschen leiden. Im Gegenteil, er ist den Leidenden nahe, weil er in Christus ihr Leiden geteilt hat. 
Vielleicht keimt dabei die Hoffnung auf, dass Gottes Nähe dazu hilft, die Trauer zu überstehen. 

In den Passionsgeschichten der Evangelien wird geschildert, dass Jesus das Leiden auf sich genommen hat, ohne seine Peiniger zu beschimpfen. 
"Jesus aber antwortete nichts mehr, so daß sich Pilatus verwunderte," heißt es bei Markus. Lieber leiden als Leiden zu verursachen, die Liebe zu den Menschen durchhalten bis zum Ende - so wird uns von Jesus berichtet.
"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem," wird später Paulus schreiben und dabei sicher Christus vor Augen haben.
Im Hintergrund der Darstellungen des leidenden Christus stehen unter anderem die alttestamentlichen Lieder vom leidenden Gottesknecht aus dem Buch des Propheten Jesaja. In einem heißt es: 

"Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn."

Das ist noch einmal eine tiefer gehenden Deutung des Leidens Christi: Da leidet einer auch für meine Schuld, die mir nun nicht mehr auf dem Rücken lasten muss. 

Zu finden ist das Grab von Pfarrer Friedlein im alten (unteren) Teil des Friedhofs - im oberen Drittel (von unten her kommend) links direkt neben dem Hauptgang.