Die Evangelische Kirche Obbach

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portal

 

Nachdem die alte, aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche baufällig geworden war, konnte die neue Obbacher Kirche  im 18. Jahrhundert neu gebaut werden. 
Bereits 1717 hatte Pfarrer Ägidius Stöhr an die damalige Patronatsfamilie einen Bittbrief geschrieben und Sophie Amalie von Bobenhausen vom schlechten Zustand des alten Kirchleins berichtet.  49 Jahre vergingen seit dem Hilferuf des Pfarrers, bis die Patronatsherren mit dem Bau begannen . 
Der Grundstein für die neue Kirche wurde am 5. Mai 1766 gelegt. Pfarrer Stöhr, der den Neubau herbeigesehnt hatte, tat nach Jahrzehnten noch immer in der Gemeinde Dienst; er konnte die  
Die Obbacher Bürger mussten Hand- und Spanndienste leisten - und taten dies für den Neubau der Kirche wahrscheinlich auch gerne.
Der genaue Zeitpunkt der Kircheneinweihung ist nicht bekannt.  Wahrscheinlich wurde sie 1767 oder 1768 ihrer Bestimmung übergeben. 

       
Schlichter
Barock
 

Die Obbacher Kirche ist in schlichtem evangelischem Barock erbaut und für ein kleines Dorf wie Obbach von stattlicher Größe. 

Jahrzehntelang blieb die Kirche im Inneren roh stehen. Erst 1828 wurden größere Verschönerungsarbeiten an Kanzel, Emporen und Stuck durchgeführt sowie die Wände gestrichen. 

       
Taufstein 
von 1591
 

Eine kleine Kostbarkeit ist der Taufstein von 1591. Er stammt noch aus der alten Kirche, die über 500 Jahre lang an der selben Stelle gestanden hatte und baufällig und zu klein geworden war.

Der Taufstein  im Spätrenaissance-Stil gearbeitet. Typisch dafür ist der Rückgriff auf Elemente aus der Natur. So hat das Taufbecken die Form eines Blütenkelches. Am Fuß des Steines (unter dem Wappen der Familie von Seckendorf) sind wahrscheinlich Wasserwellen angedeutet.

1991 hat die Kirchengemeinde am 6. Sonntag nach Trinitatis - dem sogenannten "Taufsonntag" - den 400. Geburtstag des Taufsteins gefeiert. Viele Kinder haben mitgefeiert und zu Beginn des Gottesdienstes den Taufstein geschmückt. Zwei Kinder wurden damals am Taufstein getauft. 

       
Altar
von
1964
  1964 wurde eine umfassende Renovierung durchgeführt, bei der leider stark in die Innenarchitektur der Kirche eingegriffen wurde. 
Am schwerwiegendsten ist zweierlei anzusehen: Das alte Gestühl wurde durch durchgehende Bankreihen ersetzt und damit der Mittelgang entfernt; der barocke Altar wich einem nüchternen Altar, was den ganzen Altarraum verändert hat. 
Trotzdem hat die Kirche noch immer eine stimmige Ausstrahlung. 
       
Lesepult
mit Christus
und den vier  Evangelisten
  Inge Zimmermann (damals Holzschnitzschule Bischofsheim/Rhön) hat das Lesepult aus Eichenholz geschaffen. 
In der Mitte der Ansichtsseite ist Christus dargestellt. Die Arme weit ausgebreitet erscheint er als der Auferstandene und zugleich als der segnende Christus, der alle einlädt. 

Um Christus herum sind die vier Evangelisten mit ihren vier typischen Symbolen angeordnet. Sie berichten in ihren Evangelien von ihm - von seinem Leben, Sterben und Auferstehen. Eine Darstellung, die man häufiger an Lesepulten findet; an ihnen wird im Gottesdienst das Evangelium verlesen.

       
Altarkreuz   Aus Lindenholz ist das Altarkreuz, das auch seit der Renovierung von 1964 zur Einrichtung der Kirche gehört. 
       
Allianzwappen
über dem 
hinteren
Eingang der
Kirche
   

Die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Obbach ist eine der wenigen Gemeinden in Bayern, die noch einen Patron hat.
In früheren Jahrhunderten übten - wie überall - die Landesherren des Dorfes Obbach gleichzeitig das Patronat über die Kirchengemeinde aus.
Von Henneberg (bis ins 15. Jahrhundert), von Hutten (bis 1527), von Seckendorf (1527 - 1653), von Bobenhausen (1653 - 1813) heißen die Patronatsfamilien lang vergangener Zeiten. 
1803 ging es mit der Kleinstaaterei zu Ende. Die  Reichsritter waren von nun an nur noch Gutsherren. Der kirchliche Teil des Patronats (finanzielle Fürsorge für den Pfarrer und die Kirchengemeinde, sowie das Recht zur Besetzung der Pfarrstelle) wurde beibehalten.

Seit dem Kauf des Obbacher Schlosses im Jahre 1924 übt Familie Schäfer das Patronat aus.
In den 70er Jahren, als fast überall in Bayern die Patronate abgelöst wurden, hat sich der Obbacher Kirchenvorstand der Landeskirche gegenüber heftig für die Beibehaltung des Patronats ausgesprochen. Noch heute hat Georg Schäfer (Schweinfurt) das Patronat inne. Zu ihm und seiner Frau Ruth steht die Kirchengemeinde in einer vertrauensvollen Beziehung.

 

       
Außen-
renovierung
   

Nach der statische Sanierung der Kirche von 1994 konnte 1998 endlich mit der Außenrenovierung der Kirche begonnen werden .
In einem ersten Schritt ging es zunächst an den Turm, weil die Dacheindeckung sehr schadhaft war.
Seither werden alle, die aus Euerbach her kommen, von einem prächtigen Kirchturm begrüßt. Das Turmkreuz wurde vom Obbacher Schmied Manfred Klein nach dem Vorbild des alten, völlig verrosteten Kreuzes neu geschmiedet.
Die sogenannte "Laterne", die in einer früheren Renovierung geschlossen worden war,  wurde wieder geöffnet. Nun hat der Turm mit den sechs Öffnungen ein etwas grazileres Aussehen.
Die drei Ziffernblätter wurden neu lackiert.
Ab Herbst 2002 wurde die Außenfassade der Kirche komplett renoviert. Der Finanzierungsplan sieht Gesamtkosten in Höhe von 264.000 EUR vor. Etwa 60 Prozent der Baukosten trägt die Landeskirche. Die Kirchengemeinde muss aber immerhin 90.800 EUR an Eigenmitteln aufbringen. Die politische Gemeinde Euerbach beteiligt sich mit 5 Prozent an den Baukosten.

 

       
Die
dritte
Orgel
  Eine wechselvolle Geschichte hat die Obbacher Orgel.
Bereits zehn Jahre nach dem Kirchenneubau konnte die Kirche im Jahre 1777 mit einer Orgel ausgestattet werden.
Dies war umso bemerkenswerter, als die Ausstattung und Verschönerung des Kircheninneren (Altar, Kanzel, Stuck und Anstrich) bis 1828 warten mussten. Offenkundig lagen dem Pfarrer, der Gemeinde und der Bobenhausen'schen Familie die musikalische Ausgestaltung der Gottesdienste sehr am Herzen.
    Die erste Orgel war ein Werk des Schweinfurter Orgelbaumeister Johann Michael Voit und wurde wahrscheinlich vornehmlich von der Schlossherrschaft finanziert. Das wertvolle barocke Orgelprospekt wurde vermutlich von der politischen Gemeinde und von der Kirchenstiftung je zur Hälfte bezahlt.

Im ersten Weltkrieg mussten viele Orgelpfeifen (aus Zinn) ausgebaut und für militärische Zwecke abgeliefert werden. Da im Laufe der zurückliegenden Jahrzehnte immer wieder größere Reparaturen vorgenommen werden mussten, entstand der Wunsch nach einer neuen Orgel. Sie wurde 1920/21 von der "G .F. Steinmeyer  Co. Kgl. Bayer. Hof-Orgel- & Harmoniumfabrik Oettingen in Bayern" als zweimanualige Orgel (mit pneumatischer Traktur als der neuen Technik) hergestellt. Weil in der Nachkriegszeit das nötige Zinn knapp und teuer war, wurden die metallenen Pfeifen nur aus Zinkblech gearbeitet.

Bereits 60 Jahre später war die moderne Orgel in einem desolaten Zustand. Die neue Technik (das pneumatische System) hatte sich als sehr anfällig erwiesen. Das ganze Material zeigte sich als minderwertig. Weil die Orgel ständig repariert werden musste, wurde ein Neubau geplant.

Die dritte Orgel wurde 1972/73 von der Orgelbauwerkstatt Hoffmann (Ostheim v. d. Rhön) gebaut - nun wieder mit mechanischer Traktur und unter Rückgriff auf die Disposition der alten Voit'schen Orgel.
Viele Spenden kamen dafür aus der Kirchengemeinde; die politische Gemeinde hat einen namhaften Beitrag geleistet und nicht zuletzt vom Patron kam eine großherzige Spende.

Bis heute leistet die "dritte Orgel" gute Dienste, ist nicht reparaturanfällig und kann als eine der guten Orgeln in den Dorfgemeinden des Dekanats eingestuft werden. Der barocke Orgelprospekt (Gehäuse) der Voit'schen Orgel konnte.

 

       
Die Schnecke   Die aufstrebenden Dachgesimse des westlichen Giebels enden in zwei "Schnecken" aus Sandstein.
       
Die Lutherrose   Auf der großen Glocke, 1950 gestiftet von Patron Georg Schäfer anlässlich des 25. Todestages seines Vaters Geheimrat Georg Schäfer, befindet sich eine Lutherrose sowie die Aufschrift "Ein feste Burg ist unser Gott".
       
     

 

Die Kirche ist auf der Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Obbach kunstvoll gestickt dargestellt. 
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